Mir hat die Tage jemand was gesagt, was mich hat aufhorchen lassen. „Mir hat das mit dir auch gefallen, es hat sich gut angefühlt ABER in mir ist so ein Gedanke aufgetaucht und deswegen möchte ich an dieser Stelle aufhören.“ Als ich nach einer Weile die Situation für mich nochmal durchspielt und reingefühlt hatte, war mir sehr bewusst, dass irgendwas an dem, was oder wie ich es gesagt habe, die andere Person getriggert hat und somit ein Schutzmechanismus aktiviert wurde. Nicht, weil es logisch ist, sondern weil jeder von uns Erfahrungen im Leben gemacht hat, die einen geprägt haben und die man nicht wiederholen möchte. Dabei wiederholt man niemals eine Situation nochmal, es sei denn es ist einem nicht bewusst. Dann kommen die Gedanken und Gefühle immer wieder, bis die Wurzel entdeckt und gezogen wurde. Es ist absolut menschlich, ich verstehe das gut. Und jeder ist frei, für sich zu entscheiden, was er möchte oder nicht möchte.
Worauf ich einfach hinaus möchte, ist : Gedanken machen uns Gefühle, niemals andersherum. Wenn ich nur fühle, gibt es keine Bewertung. Wenn sich etwas gut anfühlt, dann ist es, was es ist. Es ist der Kopf, das Ego, die Gedanken, abgespeicherte Erfahrungen, unbewusste Ängste, die einer Situation dann einen Stempel aufdrücken. Die Situation selbst ist erstmal neutral. Selbst „negative Gefühle“ sind erstmal nur Informationen, die einem etwas mitteilen wollen. Und was für mich an dieser Stelle am bedeutsamsten ist:“ Es ist alles IN DIR! Niemand außerhalb von dir selbst kann dir deine Gefühle und Gedanken machen.“ Jeder von uns kreiert sie sich seit Anbeginn des Egos, mit ca. 4 Jahren selbst. Wir machen Erfahrungen, hören Dinge, entwickeln Gedanken und Gefühle zu Menschen und Situationen. Wir glauben, dass es so ist, wie es in uns geschieht und müssen uns vermeintlich schützen, gehen in den Rückzug und fühlen uns wieder frei. Wir wollen nur die guten Gefühle, das Schöne und unterdrücken in uns selbst die „Schatten“. Unsere eigenen, selbstkreierten „Schatten“, die manchmal anklopfen, wenn jemand sie triggert, um endlich erlöst zu werden. Das Leben besteht aus Licht und Schatten. Wer nur das Eine möchte und das andere ablehnt, lehnt einen Teil von sich selbst ab.
Ich selbst kenne das nur zu gut. Ich habe einmal jemanden getroffen, der mir so viel Liebe und Zuneigung entgegengebracht hat und bei dem ich so viel Liebe und Zuneigung gefühlt habe, dass ich es nicht halten konnte. Nicht, weil ich es nicht wollte, sondern weil in mir so unendlich viele Glaubenssätze und Annahmen über mich selbst und die Liebe waren, dass mein System im tiefstem Rot Alarm geschlagen hat. Diese Gefühle, die in mir ausgelöst wurden, waren zutiefst beängstigend und ich dachte zu dem Zeitpunkt noch, dass es was mit ihm zu tun haben muss. Ich stand plötzlich vor meinem eigenen Abgrund, hatte Angst mich selbst zu verlieren und gleichzeitig Angst, nie das zu bekommen, was ich mir aus tiefstem Herzen wünsche. Ich dachte, ich sei nicht gut genug, würde nicht ausreichen und am Ende würde man sich doch für wen anders entscheiden. Meine eigene Ablehnung war Aufgrund von Erfahrungen aus meiner Kindheit sehr geprägt. Ich hatte gelernt: Sei so wie du bist und du wirst verlassen und bestraft. Ich habe mir immer und immer wieder die gleiche Story erzählt, bis genau das passiert ist, was meine größte Angst war. Heute weiß ich, dass mein System mich schützen wollte. Schützen vor der Liebe. Und ja, es mag für den einen oder anderen vielleicht komisch klingen, aber ich hatte gelernt, dass Liebe nicht beständig ist, dass ich sie mir verdienen muss und dass man sie mir ganz einfach wieder wegnehmen kann. Vor allem dann, wenn ich mal nicht so bin, wie andere mich brauchen, um sich gut zu fühlen. In mir steckte der Glaube, dass Liebe für mich nicht existiert. Und mein Ego hat alles daran gesetzt mir genau diesen Glauben zu bestätigen.
Heute weiß ich tief in meinem Herzen, dass ich selbst ein Ausdruck von Liebe bin und mir niemand etwas wegnehmen kann.
Das ist das größte Geschenk, dass ich mir selbst machen konnte. Hinschauen, was in mir endlich erlöst werden möchte.
Sei du selbst, auch mit deinen Ängsten. Erkenne sie an, aber lasse sie nicht mehr über dich bestimmen. Habe den Mut über deine Innenwelt mit anderen zu reden. Zeige dich, so wie du bist. Sag, was dir Angst macht, was du dir wünschst, was du brauchst. Vielleicht weißt du auch, wieso es so ist, wann es in dir entstanden ist. Schäme dich nicht dafür. Bleib stehen und offen. Auch und gerade, wenn es sich unangenehm anfühlt. Meine Erfahrung ist, dass genau an diesem Punkt das größte Wachstumspotential entsteht.
Gefühle entstehen niemals im Kopf, sondern immer im Körper. Also FÜHLE, wie es WIRKLICH für dich ist, atme durch, bleib stehen. Nimm dir Zeit für dich. Wenn dein Kopf dir was erzählt und dadurch neue (alte) Gefühle entstehen, dann hör ruhig zu, fühle die (alten) Gefühle, die endlich aus deinem System raus wollen und wisse, dass du nicht deine Gedanken und auch nicht deine Gefühle bist. Gedanken und Gefühle sind nur Besucher. Sie kommen und gehen. Du bist der Raum dahinter, der IMMER da ist.
Verletzlichkeit ist kein Ausdruck von Schwäche, sondern von tiefster Liebe.
Eure Jessi
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